Vorvertrag

In der Regel wird Sie das Thema Ihrer Bachelor-Arbeit aus Ihren Aufgaben und Tätigkeiten des Praxissemesters heraus finden. Sie müssen dies jedoch zuvor mit mir abstimmen. Diese Abstimmung geschieht in Ihren ersten Wochen im Praxissemesterbetrieb und nicht danach.

Das Thema der Master-Arbeit wird ausschließlich von der Hochschule, d.h. von mir festgelegt.

Der Vorvertrag ist ein ca. 2-Seiten-Papier, das die Geschäftsgrundlage zwischen Ihnen und mir festlegt. Hier wird das Problemgebiet kurz beschrieben, die konkreten Aufgaben der Arbeit festgelegt und, soweit möglich, einige Rahmenbedingungen fixiert.

Folgende Abschnitte sind sinnvoll: Problemstellung, Einzelaufgaben und angestrebte Ergebnisse, Ablauf/Zeitplan, notwendige Voraussetzungen, Meilensteinplan, vorläufige Gliederung (2-stufig) der Abschlussarbeit.

Nutzen:

  • Da das Papier von Ihnen selbst erstellt wird (in Zusammenarbeit mit mir), ist sichergestellt, dass wir beide das gleiche Verständnis von der Abschlussarbeit haben.
  • Die Begutachtung fällt leichter und objektiver aus.
  • Der Rahmen ist klar abgesteckt, sie werden vor willkürlichen Nachforderungen („ach, machen sie doch auch noch mal eben das ...”) geschützt. Das soll aber nicht ausschließen, dass sich bei gravierenden neuen Erkenntnissen die Aufgaben auch mal etwas verschieben können (z.B. wenn Sie auf weitere interessante Problemstellungen stoßen, die Sie gerne bearbeiten wollen).

Abschlussarbeit

Ich möchte Ihnen an dieser Stelle ein paar Tips zur Erstellung von Bachelor- und Master-Arbeiten geben. Das gesagte gilt in abgeschwächter Form auch für andere Arbeiten.

Sinn und Zweck

Ich zitiere aus einer unserer Studienordnungen:

„Die <Abschluss->arbeit soll zeigen, dass der Prüfling in der Lage ist, innerhalb einer vorgegebenen Frist ein Problem aus dem Gebiet seiner Fachrichtung selbständig nach wissenschaftlichen Methoden zu bearbeiten.”

Es stellt sich die Frage, was „wissenschaftliche Methoden” sind. Dies sollte Ihnen inzwischen klar sein, ich wiederhole es aber gerne. Zum einen sind dies auf theoretischer Ebene zu beachtende Gesetze zum anderen in einer sehr technikorientierten Wissenschaft wie der Informatik Problemlösungen, die unter bestimmten Randbedingungen zu erreichen sind. Von wissenschaftlichen Aussagen und Problemlösungen erwarten wird Relevanz und Überprüfbarkeit. Sie sollten daher insbesondere auf unklare Begriffe, nicht exakten Ausdruck und undefinerte Bewertungen (z.B. maximale Effizienz) verzichten und kausale Ketten, soweit nicht offensichtlich, begründen.

Struktur

In der Regel wird Ihre Arbeit eine Frage beantworten oder ein Problem lösen. Eine Frage wäre z.B. „Welches ist das beste System für X?” Ein Problem wäre z.B. „Ich habe keine Unterstützung für Y”.

Derartige Fragen lösen Sie in der Regel, indem Sie Kriterien für Systeme einer Klasse festlegen und dann bestimmte Systeme bzgl. dieser Kritieren evaluieren. Als Ergebnis bestimmen Sie am Ende das beste System bzgl. der Kritieren.

Derartige Probleme lösen Sie in der Regel, indem Sie Software entwickeln, die die gewünschte Unterstützung liefert.

Die folgende Struktur ist ein Beispiel für eine Software-Entwicklungsarbeit, da dies den größten Teil der von mir in der Vergangenheit betreuten Arbeiten ausmachte. Sie ist keine verbindliche Vorgabe für Sie, sondern ein Anhaltspunkt für Ihre eigenen Überlegungen.

  • Einleitung:
    • Hier findet eine Beschreibung des Problemfeldes und der konkreten Aufgabe(n) statt („Ziel der Arbeit ist ...”). Danach sollte noch ein Abschnitt folgen, der kurz die weitere Struktur der Arbeit und die wesentlichen Inhalte der Kapitel darstellt. Danksagungen (und Verwünschungen) gehören (wenn es sein muss) ins Vorwort.
  • Analyseteil:
    • Der „Fleißteil” mit viel Literatur-Recherche, ggf. in mehrere Kapitel unterteilt. Z.B. Welche Methode(n) sind für diese Arbeit relevant? Welche (Software-)Werkzeuge können benutzt werden? Was gibt es schon in diesem Problemfeld an Lösungen oder Ansätzen?
    • Und die Bewertung: Warum passt das hier gut oder warum muss es hier anders gemacht werden?
    • Bitte nicht das Studium referieren (keine Einführung in die objektorientierte Programmierung oder ER-Modellierung, sondern nur die für die Lösung der Arbeit relevanten Dinge erörtern. Bitte auch keine Allgemeinaussagen (Ein Computer dient ...).
  • Syntheseteil:
    • Ab jetzt nur noch das eigene Werk: Konzept und Realisierung, gerne in zwei Kapiteln (in dieser Reihenfolge!).
    • Konzept: Welche Methoden wurden (wie) verwendet, welche (abstrakten) Strukturen und Modelle hat ihre Lösung (z.B. Interaktionsstruktur, Software-Architektur, Datenbankschema, ...).
    • Realisierung: (natürlich nur, wenn etwas realisiert wurde) ausgewählte und interessante Aspekte der Realisierung (z.B. Einsatz eines Werkzeugs, Optimierungen, spezielle Problemlösungen), nicht jedes Bit aufführen (dafür gibt es als Anlage eine CD-ROM oder eine URL oder eine Mappe).
  • Zusammenfassung und Ausblick:
    • Das Schlusskapitel führt die wichtigsten Ergebnisse der Arbeit (max. 1 bis 2 Seiten) auf und zeigt, wo es weitergehen kann oder was noch verbessert werden müsste.
    • (Eilige) Leser von (ausschließlich) Einleitung und Zusammenfassung und Ausblick müssen danach wissen, was die Arbeit sollte und gebracht hat.

Tipps

  • Der Schreibstil soll wissenschaftliche Distanz verraten (bitte kein „ich”, kein Erlebnisaufsatz „danach machte ich ... ”).
  • Viele (>100) Seiten voll schreiben, ist kein Problem, aber auch nicht notwendig. Gewürdigt wird eher, das Wesentliche kompakt darzustellen und auf den Punkt zu bringen (z.B. Grafiken, Tabellen und Spiegelstriche statt Prosa).
  • Die Struktur der Arbeit muss konsequent sein! Z.B. nicht in Kapitel 2 Beispiellösungen beschreiben und in der Realisierung in Kapitel 6 noch ein paar nachschieben.
  • Sehr spezifische Fachbegriffe sollten in einem Glossar in 1-2 Sätzen erklärt werden. Hilft auch dem Schreiber.
  • Wenn sinnvoll, autarke und leseflusshemmende Teile in einen Anhang auslagern (Benutzungshandbuch, Berechnungen, Installationshinweise, technische Details, etc.).
  • Benutzen sie Beispielszenarien. Wenn möglich ein durchgehendes Beispielszenario, an dem sie ihre Lösung dann auch vorführen können.
  • Literaturzitate im Text: einheitlich, z.B. [die ersten 3 Buchstaben des Autors mit Jahreszahl]. LaTeX macht dies übrigens automatisch. Wenn sie WWW-Quellen verwenden (gibts immer öfter), dann natürlich in der Literaturliste URL mit angeben. Es sollten aber auch noch Bücher verwendet werden.
  • Wenn außerhalb der gebundenen Arbeit noch Ergebnisse, z.B. in elektronischer Form, existieren, dann muss ich da auch drankommen,also CD-ROM, Diskette, URL angeben. Unbedingt Installationshinweise angeben!
  • Wenn Sie sich händisches Formatieren ersparen wollen, verwenden Sie LaTeX. Stürzt auch bei über 100 Seiten und vielen Grafiken nicht ab, nummeriert automatisch, erstellt das Literaturverzeichnis automatisch und vieles mehr. Nehme ich für meine Skripte ausschließlich.
  • Sie formatieren bitte so, dass ein ansehnliches Äußeres entsteht, oder, mit anderen Worten: Buchqualität. Alles andere ist bei einer Abschlussarbeit nicht akzeptabel.

Der Betreuungsservice

  • Gemeinsames Erarbeiten und Abstimmen des Vorvertrages.
  • Betreuung und Beratung während der Arbeit.
  • Durchsicht der Gliederung, einzelner Kapitel und Teillösungen mit Feedback vor der offiziellen Abgabe.
  • Gutachten zur Zensurenfindung. Um zu einem möglichst objektiven und nachvollziehbaren Urteil zu kommen, bewerte ich (mit verschiedenen Gewichtungen) nach folgenden Kriterien:
    • Aufgabenstellung und Schwierigkeitsgrad: Wo, in welchem Projekt, neue Lösung oder Standardaufgabe, konzeptionell und / oder technisch, vorhandenes Wissen verfügbar (Literatur, Systeme, Ansprechpartner), Entwicklung der Aufgabenstellung, Eigeninitiative.
    • Wissenschaftlicher Arbeitsstil: Kapitel-Durchlauf: Inhalt, Gliederung, Vollständigkeit oder Überfrachtung mit Überflüssigem, schlüssige Darstellung, Verdichtung von Informationen, Beispiele, Verwendung der Literatur, State-of-the-art, Trennung Konzept / Realisierung, Anhang.
    • Ggf. realisierungstechnische Leistung: Funktionalität, saubere Struktur, Dokumentation.
    • Stil und Form: Lesbarkeit, Grafiken und Tabellen, Glossar, Index, Schriftbild, Ausdrucksweise, wiss. Distanz, Sauberkeit. Zum allerletzten mal: LaTeX garantiert einige dieser Punkte.

Literaturempfehlungen

  1. M. Deininger, H. Lichter, J. Ludewig, K. Schneider
    Studienarbeiten - ein Leitfaden zur Vorbereitung, Durchführung und Betreuung von Studien-, Diplom- und Doktorarbeiten am Beispiel Informatik.
    vdf Verlag und Teubner, 1992.
  2. Peter Rechenberg
    Technisches Schreiben (nicht nur) für Informatiker.
    2. Auflage. Hanser, 2003.

Kolloquium (Tipps zur Vorbereitung und Durchführung)

Verstehen der Quellen

  • sprachliches Verständnis der (engl.) Quelltexte
  • Eindeutschen von Fachbegriffen möglich / nötig / Ersetzen? (zB: File / Datei; Browser / Browser)
  • ggf. Heranziehen weiterer, z.B. im Literaturteil angegebener Quellen.
  • Diskussion mit Kommilitonen und Sachverständigen, Klärung mit Betreuer.
  • Minimalziel: Die präsentierten Inhalte müssen "nachfragefest" sein.

Die Präsentation des Themas

  • Die zu präsentierenden Inhalte sind so anzulegen, dass sie in der festgelegten Zeit (zB 30 Minuten) auch vermittelt werden können.
  • Teile des Vortrags sollten auch gefahrlos ausgelassen oder zusätzlich hereingenommen werden können (ca. ± 10 min.), um Zeit einzusparen oder aufzufüllen.
  • Der Vortrag sollte unbedingt unter "Realbedingungen" geübt werden, d.h. mit Zuhörern (die auch fragen dürfen), Stopuhr (für einzelne Zeitmessungen), stehend mit Folien und Tafel.
  • Einige Zusammenhänge können ruhig an der Tafel (oder Folie) entwickelt werden.
  • Möglichst keine "Vorwärtsverweise" im Vortrag verwenden.
  • Hilfreich ist ein durchgehendes Beispiel, an dem alle Inhalte nach und nach entwickelt werden können (ggf. neues Beispiel ausdenken, falls dies die Quellen nicht hergeben).

Typische Struktur eines Vortrags

  • Der Vortrag beginnt immer (!) mit der Vorstellung des Themas (evtl. mit Quelle, Autor(en)), eigener Vorstellung, Gliederung. (eine ! Folie)
  • Nachfolgende Abschnitte:
    1. Problembeschreibung, Aufgabe
    2. (ggf.) was gibts hier schon für Lösungsansätze ("State of the Art")
    3. was kommt hier dazu und wie
    4. Zusammenfassung, Ausblick auf weitergehende Arbeiten

Der mündliche Vortrag

  • Tips zur Gestaltung der Folien:
    • Deckblatt mit Titel, Name, Gliederung.
    • Immer Folienüberschriften zur Orientierung wählen.
    • nur (!!) Stichworte ("Spiegelstriche") oder Graphiken. Nie Prosa. (auf die Papierkopie in der Hand können weitere Stichworte als Merker geschrieben werden, keine Prosa, nicht ablesen, frei formulieren).
    • nie mehrere Themen auf einer Folie.
    • mindestens Zeichengröe 14, Überschriften 18, nur 1-2 Fonts verwenden.
    • Wichtige Dinge unterstreichen (zB wichtig = rot; Begriffsdefinition = grün; etc.)
  • Zuhörer anschauen (!), dabei nicht an einem Gesicht "kleben".
  • Evtl. Zeigeinstrument (Stift, Laser-Pointer) beschaffen.
  • Kurze Redepausen (ca. 3 sek.) zwischen Abschnitten.
  • Faustregel zum Zeitmanagement: pro Folie ca. 2-3 Minuten kalkulieren. "Abkürzungen" für das letzte Folien-Drittel bereithalten, falls im Vortrag die Zeit knapp wird (s.o.).

Die Ausarbeitung (Handout, optional)

  • ... umfasst ca. 2 Seiten (bei umfangreichen Grafiken oder Tabellen auch bis 4 Seiten) und fasst die wichtigsten Ergebnisse (!) des Vortrags zusammen.
  • stichwortartig, zum Mitlesen geeignet. Nicht zu dicht geschrieben. (z.B. Size 12; Abstand 1,5).
  • Die Quelle(n), Thema, Datum, Referent(In) ist aufgeführt.